Abenteuer Neuseeland

K.: “Erzähl’ doch mal von deinem Abenteuer Neuseeland.”
T.: “OK, dann erzähle ich heute eine Geschichte über das Kofferpacken.”
K.: “Kofferpacken? Du erzählst über das Kofferpacken, während ich eine Geschichte zum Thema Abenteuer Neuseeland erwarte? Ich fass’ es nicht.”
T.: “Doch – wart’s ab … Es war an einem der ersten Tage im äußersten Norden der Nordinsel Neuseelands. In Northland …

Abenteuer-Neuseeland
Abenteuer-Neuseeland

Wir fahren bei schönstem Wetter mit einem geländegängigen Bus vom Ninety Mile Beach Holiday Park nach Cape Reinga. Eine geführte Tour. Nach den verregneten letzten Tagen endlich ein richtig warmer Sonnentag. Es ist absolut windstill.
Unser Guide wundert sich. Windstille sei hier absolut unüblich, sagt er. So ruhig habe er es in all den Jahren noch nicht erlebt.
Nunja, denken wir. Irgendwann ist immer das erste Mal.

Ein gelungener Tag: Gumdiggers Park, Cape Reinga, Rückfahrt über den Ninety Mile Beach. Tolle Fotos.

Abends, in unserem Appartment, fallen wir müde ins Bett.
Die letzten Tage waren anstrengend und außerdem steckt uns der Jetlag immer noch in den Knochen.

Plötzlich. Mitten in der Nacht reißt uns ein Trommelfeuer gegen die Appartmenttür aus dem Schlaf.
Orientierungslos stolpern wir zur Tür.
Debbie und Glen, die Besitzer des Holiday Parks, drängen uns sofort das Appartment zu verlassen.
Der Grund: Erdbeben bei Christchurch.
Es besteht die Gefahr von Nachbeben.
Die neuseeländischen Behörden haben eine Tsunamie-Warnung ausgerufen.
Der gesamte Küstenbereich wird evakuiert.
Unser Sammelpunkt ist auf einer Anhöhe in der Paparore Grundschule .

Schlagartig werden wir wach. Und wollen das Notwendigste packen.
Nur was ist das Notwendigste? Geld und Papiere. Telefon. Was ist, wenn hier alles weggespült wird? Wann dürfen wir wieder zurück? Wie groß ist die Diebstahlgefahr? Wie organisieren wir uns? Rechner. UMTS-Karte. Kamera. Aber welches Objektiv? Wäsche.
Du merkst schon, es wird langsam kompliziert. Vor allem, weil unsere funktional gepackten Sachen schnell ein Eigenleben entwickelt haben. Sie haben sich in Koffer und Taschen chaotisch verteilt.
Wir finden doch noch alles Gesuchte und fahren zum Sammelpunkt.

In der Paparore Grundschule erwartet uns eine ausgesprochen ruhige Atmosphäre.
Perfekt organisiert.
Die Kiwis haben ihre Aufgaben klar verteilt.
Bis hin zur Funkverbindung zum Katastrophenschutz.
Alle Anwesenden werden regelmäßig informiert.
Nach ungefähr einer Stunde hat sich die Gefahrenlage entspannt und wir werden wieder entlassen.

Zurück in unserem Appartment legen wir uns für den kurzen Rest der Nacht aufs Ohr.
Richtig schlafen können wir nicht.
Wir lassen den Tag Revue passieren.
Besteht ein Zusammenhang zwischen der gestrigen Windstille und dem Erdbeben?
Wie groß ist die aktuelle Tsunamie-Gefahr?
Schließlich befinden wir uns in Küstennähe und auf Meereshöhe – ca. 100 Meter Luftlinie vom Strand entfernt.

Am Morgen erfahren wir dann, dass das Epizentrum des Erdbebens im Nordosten der Südinsel, in der Nähe der Stadt Kaikoura, war.
Dass es 2 Tote gegeben hat.
Dass Kaikoura von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Auch die Fährverbindung zur Südinsel ist eingestellt.
Wir machen uns Gedanken über unsere weitere Reiseroute.
Noch sind wir auf äußersten Spitze der Nordinsel.
Das Wetter ist wechselhaft und für die Jahreszeit zu kühl.
Wir durchreisen ein phantastisches Land.
Das Abenteuer Neuseeland geht weiter.
Aber seit unserem Erlebnis in Northland packen wir unsere Sachen etwas anders.
Das ‚Wichtigste‘ befindet sich ab sofort in einer separaten Tasche.

Als wir nach 1 1/2 Wochen Wellington erreichen, ist die Fährverbindung zur Südinsel längst wieder in Betrieb.

Am Tag vor unserer Überfahrt machen wir mit Hop-On-Hop-Off-Tours eine geführte Tour durch Wellington.
Die Route führt uns bei schönstem Wetter zum Mt Victoria Lookout mit einem phantastischen Blick auf Wellington.
Der Tourguide erklärt uns: normalerweise weht hier in Wellington ein ständiger Wind.
Nur heute sei es so windstill, wie er es selten erlebt habe.

Wir schauen uns kurz an.
Abends parken wir unser Auto rückwärts und unmittelbar vor unserem Appartment ein.
Aber das ist eine andere Geschichte …”


Der Autor hat seine Neuseeland-Reise in Bild und Text festgehalten. Sie können seinen Bildband “Neuseeland – Impressionen einer Reise” hier in unserem Shop bestellen:

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